Knapp fünf Kilometer westlich von Werneck und sieben Kilometer östlich von Arnstein liegt, weit auseinandergezogen, das Dorf Mühlhausen. Hier, am Mittellauf der Wern, münden von Süden der Weidleins-, der Eßlebener- und der Riedener Bach in das Flüsschen. Zwischen strauch- und baumbewachsenen Ufern strebt deren Wasser dem Main, dem Rhein und dann dem Meer zu.



Ansichtskarte aus den siebziger Jahren

Die frühesten Besiedlungen sind seit der Jungsteinzeit nachweisbar. Die Gemarkung des heutigen Dorfes bot viele geeignete Siedlungsmöglichkeiten, die – wie Bodenfunde zeigen – teilweise hintereinander von verschiedenen Kulturen besiedelt waren. Die ersten bekannten Funde kamen 1877 durch die Erdbewegungen beim Eisenbahnbau zutage, als am Bahnhof Grabhügel angeschnitten wurden. Seither konnten Siedlungsstellen der Linearbandkeramik, der Rössener Kultur, der Hallstatt-, Latenè-, Urnenfelder- sowie der Eisenzeit festgestellt werden.
Die kleine Ansiedlung wurde im Jahr 815 als „Mulinhuus“ erstmals urkundlich erwähnt und 1014 in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. als Dorf bezeichnet. Die Ursprünge des Ortes gehen auf die fränkische Reichskolonisation zur Karolingerzeit im 8./9. Jahrhundert zurück. Der Ortsname bedeutet „Haus bzw. Häuser bei der Mühle“, was nach Kenntnis der örtlichen Verhältnisse auch ohne weiteres klar wird. Die erste erhaltene Urkunde, die eine Mühle nennt, stammt aus dem Jahr 1279. Über 1100 Jahre lang trieb hier das Wasser der Nebenbäche diese früher auch für die umliegenden Dörfer sehr wichtigen Einrichtungen an. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ – das war einmal. Als letzter der einst vier Betriebe wurde die Vallesmühle 1976 stillgelegt.



Die Wehners- und die kleine Mühle. Im Hintergrund ist die ehemalige Eßlebener Grundmühle zu sehen

Der Altort lag leicht erhöht und damit hochwassersicher über der Wern, wohl in der Nähe einer Furt. Durch die Jahrhunderte blieb der Wohnplatz an Umfang und Bewohnerzahl klein. 1530 lebten hier 15 Familien und genau dreihundert Jahre später waren es deren 39. 1817 zählte man ganze 7 Steingebäude. 74 Gebäude waren aus Holz erstellt, davon fünf mit Stroh gedeckt. Gab es 1904 nur 47 Wohngebäude, war die Anzahl bis 1987 auf 133 Wohnhäuser mit 184 Wohnungen angestiegen. Die Einwohnerzahl betrug um 1570 etwa 100 Personen. 1835 waren es 200 und um 1920 etwa 300 Einwohner.



Die Kaplaneikirche St. Martin von Süden

Besitz- und Lehensrechte übten – um nur die wichtigsten zu nennen – durch die Jahrhunderte aus: Die Klöster Holzkirchen, Aschfeld, St. Stephan, Himmelspforten, Heidenfeld, Heiligenthal, Ober- und Unterzell, St. Marx, Michelsberg bei Bamberg, das Stift Neumünster, die Hochstifte Würzburg und Eichstätt, das Juliusspital, die Pfarrei Arnstein, sowie zahlreiche Adelsgeschlechter, darunter die Grafen von Henneberg. Die hohe und niedere Gerichtsbarkeit unterlag bis zum Ende des Alten Reiches immer dem Hochstift Würzburg.

Das Dorf erhielt erst 1696 sein eigenes Kirchlein mit Kirchhof, das dem Hl. Martin geweiht ist. Dieses Gotteshaus wurde 1930 erweitert und birgt einige beachtenswerte Kunstwerke, darunter eine Madonna des Würzburger Hofbildhauers Johann Peter Wagner sowie den Kreuzweg und die Seitenaltäre von Peter Geist. Sehenswert sind auch die vielen Bildstöcke im Ort. Pfarreimäßig gehörte Mühlhausen immer zu Eßleben.



Ein Bildstock von 1846,  am Holzberg aufgestellt

Die schmale Talsohle des Werngrundes und seiner Seitentäler lässt wenig Platz für Ackerbau. Dieser ist auf die Hänge verwiesen, an denen man bei genauem Hinsehen hier und da noch die Reste ehemaliger Wengerten erkennen kann. Schon im Mittelalter wurde hier der Wernwein kultiviert, wie alte Flurbezeichnungen und Urkunden bezeugen. In einem Ortslexikon von 1824 notierte man: „Mühlhausen, katholische Filiale von Eßleben, 50 Bauern, 179 Seelen, 1 Kirche, 1 Schule, 3 Mühlen, schöne Felder und ziemlich Weinbau“. Heute ist Mühlhausen der einzige Ort des Marktes Werneck, in dem wieder Wein in nennenswerten Umfang angebaut wird (Sorten Müller-Thurgau und Baccus).
Hier gab es auch bis vor wenigen Jahrzehnten mehrere Muschelkalk-Steinbrüche, die heute wieder aufgefüllt sind. In Mühlhausen registrierten die Geologen die nördlichsten Quaderkalk-Schüttungen Unterfrankens, die hier eine Mächtigkeit von bis zu 1,55 Meter erreichen.
Durch das Dorf verlaufen die Bundesstraße 26 und die Werntalbahn Schweinfurt – Gemünden. Der Ort hat heute keinen Bahnhof mehr, der Personenverkehr auf der 1879 eröffneten Strecke wurde 1976 eingestellt. Etwa 1,5 km westlich überquert die Autobahn Würzburg – Kassel auf einer 31 Meter hohen Brücke das Werntal. Verkehrsmäßig ist der Ort sehr gut erschlossen, was vor allem den Pendlern nach Würzburg und Schweinfurt zu gute kommt.



Heute rollt nur noch Güterfernverkehr durch das Werntal

Bei der Gebietsreform kam der Ort, der jahrhundertelang verwaltungsmäßig zu Arnstein bzw. Karlstadt gehörte, zum günstiger gelegenen Landkreis Schweinfurt. 1976 erfolgte die Eingemeindung als zwölfter Ortsteil in die Großgemeinde, heute Markt, Werneck. Seither wurden mehrere Baugebiete ausgewiesen, was einen stetigen Zuwachs an Einwohnern zur Folge hatte. Heute wohnen hier etwas mehr als 600 Personen.

Die schöne Landschaft, ein reges Vereinsleben und eine intakte dörfliche Gemeinschaft machen das Leben in Mühlhausen lebenswert.

Klaus Göbel